Diesen Beitrag haben wir 2026 aktualisiert.
Soll ich mein Vermögen aufteilen oder soll ich einer Privatbank oder einem unabhängigen Vermögensverwalter alles anvertrauen? Diese Frage taucht in unseren Beratungsgesprächen immer wieder auf. Wie fast immer im Finanzgeschäft gibt es auch auf diese Frage keine einfache und eindeutige Antwort, die für alle stimmt. Aber es gibt konkrete Überlegungen, die Sie in diesem Zusammengang anstellen können. In diesem Artikel wollen wir die relevanten Dimensionen der Fragestellung aufzeigen uns Sie dabei unterstützen, die Antwort für sich selbst zu finden.
Ist-Situation
Millionäre in der Schweiz verfügen gemäss LGT Private Banking Report 2020 (danach leider nicht mehr verfügbar) über durchschnittlich 2.3 Bankbeziehungen, bei denen sie Geld angelegt haben. Ein Drittel der Schweizer Millionäre haben ihre Anlagen bei einer Bank konzentriert. Ein weiteres Drittel verteilt die Anlagen auf zwei Banken und ein Drittel auf drei oder mehr. Es ist anzunehmen, dass die Kunden mit höheren Vermögen auch mehr Bankbeziehungen haben. Aus der Studie geht allerdings nicht hervor, wie die Anlagen auf unterschiedliche Anbieter verteilt sind. Es kann also durchaus sein, dass ein Anbieter den Löwenanteil bekommt und daneben kleinere Anteile platziert werden.
Zufriedenheit
Sind Sie zufrieden mit Ihrer Bank oder Ihrem unabhängigen Vermögensverwalter? Versteht Ihre Beraterin resp. Ihr Berater Ihre Bedürfnisse? Stimmt die Rendite im Vergleich zum vereinbarten Referenzindex und zur Konkurrenz? Verzichtet Ihr Vermögensverwalter darauf, Ihr Depot mit eigenen Produkten zu bestücken? Falls Sie alle diese Fragen mit ja beantworten können, gibt es kaum einen Grund, weshalb Sie Ihr Vermögen aufteilen sollten. Sie haben mit Ihrem Vermögensverwalter einen guten Griff getan.
Sind Sie hingegen mit einem der obigen Punkte oder sonst einem Punkt bei den Leistungen unzufrieden, lohnt es sich, Ihren Vermögensverwalter herauszufordern, indem Sie einen substanziellen Teil des Vermögens neu platzieren. Damit zeigen Sie klar, dass die Leistungen nicht genügen und Sie werden sehen, dass sich Ihr Vermögensverwalter auf einmal um Sie bemühen wird wie um einen Neukunden.
Kosten
Je mehr Geld Sie bei einem bestimmten Vermögensverwalter anlegen, desto mehr Verhandlungsmacht haben Sie bei den Preisverhandlungen. Platzieren Sie statt einer Million fünf Millionen, ermässigen sich sowohl die Vermögensverwaltungsgebühr als auch die Abwicklungskosten (Transaktionen und Depotgebühr) deutlich. Klar, auf den ersten Blick spricht dies gegen eine Aufteilung Ihres Vermögens auf zwei oder mehr Anbieter.
Sehr viele Banken und unabhängige Vermögensverwalter erzielen allerdings Jahr für Jahr schlechte Renditen, weshalb der Blick alleine auf die Kosten zu kurz greift. Wir sehen immer wieder Vermögensverwalter, deren erzielte Nettorendite nach Kosten durchschnittlich 2% pro Jahr tiefer als die durchschnittlichen Leistung der Marktteilnehmer ist. In solchen Fällen sind tiefe Kosten wertlos. Wenn Sie also durch die Aufteilung des Vermögens beim zweiten Vermögensverwalter etwas mehr bezahlen, aber der für Sie eine deutlich höhere Rendite erzielt, lohnt sich die Aufteilung alleweil. Der bisherige Vermögensverwalter, der weiss, dass er jetzt in Konkurrenz steht, wird sich im Normalfall hüten, Ihnen trotz weniger Vermögen höhere Gebühren zu verrechnen, da er damit den verbleibenden Goodwill verlieren würde.
Anlagebetrag
Grundsätzlich empfiehlt FinGuide, bei einer investierbaren Summe von unter 5 Millionen, sich für einen Anbieter zu entscheiden. So kann eine gute Diversifizierung gewährleistet werden, ohne zwingend in Anlagefonds ausweichen zu müssen. Damit vermeiden Sie zusätzliche Kosten. Liegt Ihr Vermögen darunter, empfehlen wir bei Unzufriedenheit klar: Wechseln Sie die Bank oder den unabhängigen Vermögensverwalter und verabschieden Sie sich komplett vom bisherigen Anbieter.
Ist es sinnvoll, ab einem bestimmten Betrag das Vermögen ohnehin aufzuteilen? Unsere Antwort lautet: nein. Gibt es einen Betrag, ab dem man sich die Frage nach der Aufteilung auf jeden Fall stellen sollte? Ja. Wo dieser Betrag liegt, ist Geschmackssache. FinGuide empfiehlt, ab einem Anlagebetrag von ca. CHF 5 bis 10 Millionen eine Aufteilung grundsätzlich zu prüfen. Der Kostenunterschied ist nicht mehr riesig und wenn die Anbieter wissen, dass sie in Konkurrenz stehen, geben sie sich erfahrungsgemäss einfach mehr Mühe, Sie zufrieden zu stellen.
Gesamtheitliche Beratung
Kunden erwarten von ihrer Bank oder ihrem unabhängigen Vermögensverwalter zurecht eine gesamtheitliche Beratung. Allerdings ist dies nur möglich, wenn – bei verteiltem Vermögen – beide Anbieter genau wissen, welcher Betrag mit welcher Strategie beim anderen Anbieter angelegt ist. Geheimniskrämerei bringt hier nichts, sondern erschwert den Beratern die Arbeit. Legen Sie also offen, wie Sie Ihr Vermögen insgesamt angelegt haben. Es gibt diverse Anbieter, die die Anlagen bei «Konkurrenten» in einen konsolidierten Überblick übernehmen und Ihnen somit Ihre Gesamtsituation klar aufzeigen können. Die Erarbeitung der konsolidierten Sicht ist oft recht aufwändig und wird Ihnen zusätzlich in Rechnung gestellt werden.
Sicherheit
Das Thema Sicherheit ist grundsätzlich nur bei Barvermögen relevant, denn diese werden in der Bilanz einer Bank geführt und sind beim Konkurs einer Bank gefährdet. Die Einlagensicherung garantiert CHF 100’000 pro Kunde und Bank. Depotvermögen hingegen sind unabhängig von der Bankbilanz. Deshalb steigern Sie die Sicherheit Ihres Vermögens durch die Verteilung auf zwei oder mehrere Anbieter nicht. Es sei denn, Sie halten dauerhaft Barbestände über CHF 100’000, was wir ohnehin nicht empfehlen. Falls Sie höhere Bargeldbestände halten wollen, können Sie einen Teil davon auch bei Ihrer Bank für die Alltagsgeschäfte deponieren. Die Einlagensicherung greift pro Bank und Kunde, d.h. wenn Sie je CHF 100’000 bei Ihrem Vermögensverwalter und CHF 100’000 bei Ihrer Hausbank halten, sind beide Konten geschützt.
Fazit
Zwei Drittel der Schweizer Private-Banking-Kunden nutzen bereits die Chance, ihr Vermögen auf zwei oder mehr Anbieter aufzuteilen. Dies erhöht die Konkurrenz unter den Anbietern, was wiederum den Kunden zugutekommt. Als Anleger gewinnen Sie mit der Aufteilung des Vermögens an Erfahrung und können die Leistungen besser vergleichen. Dadurch emanzipieren sich Anleger von den «kreativen» Erklärungen schlechter Performances. Die Aufteilung des Vermögens ist auch eine Möglichkeit, einen besseren Anbieter zu finden und dann bei diesem das Vermögen wieder zu konzentrieren, wenn alles stimmt. Wenn Sie aber einfach möglichst wenig Aufwand haben wollen, suchen Sie sich einen wirklich guten Anbieter aus und konzentrieren Sie Ihre Mittel dort.
Dürfen wir Sie mit unserem kostenlosen Beratungsprozess bei der Auswahl des passenden Vermögensverwalters unterstützen? Mehr Infos finden Sie auf unserer Homepage.